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Play the Game: Die Kraft des internationalen Netzwerkens PDF Drucken

Die in Dänemark ansässige Organisation Play the Game schafft es, Öffentlichkeit für Menschen und Missstände im internationalen Sport herzustellen, die sonst im Alltagsgeschäft untergehen würden. Dafür braucht es oft keine großen Ressourcen, sondern vor allem Netzwerke.

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Jens Sejer Andersen
Man muss sich die Macher von Play the Game als ewig Suchende vorstellen. Sie suchen nach den Einzelkämpfern, die manchmal auf Anhieb wie kleine Fische erscheinen mögen, dann aber enorme Bedeutung gewinnen, nach Menschen wie Bob Munro zum Beispiel.

Der Kanadier hat lang für die UN gearbeitet, lebt seit 1985 in Afrika und hat 1987 in einem der größten Slums von Kenias Hauptstadt Nairobi das Mathare Projekt gegründet, ein Entwicklungshilfeprojekt, das unter anderem auf die integrative Wirkung von Sport für Jugendliche setzt. Für seine Arbeit wurde er schon vielfach ausgezeichnet. Munro ist auch Vorsitzender des langjährigen kenianischen Erstligisten Mathare United und hat sich ab 2004 unbeliebt in Kenias Fußballverband KFF gemacht, weil er erschreckende Missstände in dessen Verantwortungsbereich aufdeckte. Nachdem schließlich der Welt-Fußballverband Fifa sich dazu durchgerungen hatte, die KFF zu suspendieren, drohte Munro 2006 plötzlich die Ausweisung aus Kenia, seiner zweiten Heimat.

Jens Sejer Andersen, der Leiter von Play the Game, erzählte auf der Sportjournalismus-Konferenz in Dortmund unter anderem die Geschichte von Bob Munro, um die Kraft internationalen Netzwerkens zu illustrieren. Seine Organisation, mit Sitz in Dänemark, hat sich der Aufgabe verschrieben, für grundlegende ethische Werte im weltweiten Sportbetrieb zu kämpfen und für Demokratie, Transparenz und Meinungsfreiheit zu stärken.

Play the Game verfolgte den Fall Munro und lancierte schließlich eine internationale Petition zugunsten Munros. Sie wurde von 120 Personen und Organisationen unterzeichnet und stellte eine internationale Öffentlichkeit für den Fall her. Als Munro schließlich nach Monaten des Bangens die Gewissheit hatte, doch in Kenia bleiben zu dürfen, schrieb er der Petition entscheidenden Einfluss zu.

Andersen berichtete noch über weitere Fälle, in denen Play the Game mit seinem Netzwerk wichtigen Einfluss genommen habe: die Arbeit des italienischen Dopingaufklärers Alessandro Donati, den von Mario Goijman angestoßenen Volleygate-Skandal und den griechischen Journalisten Filippos Syrigos, der, nachdem er sich mehrerer brisanter Themen aus dem Sport seines Landes angenommen hatte, im Oktober 2004 Opfer eines Messer-Attentats wurde und gerade so mit dem Leben davon kam (alle diese Fälle sind, wie viele andere, dokumentiert auf www.playthegame.org).

„Die Leute sind isoliert, wir finden sie, laden sie zu Konferenzen ein, so dass sie über unserer Plattform Gehör finden und ihrerseits ein Netzwerk aufbauen können“, beschreibt Andersen die Arbeit von Play the Game. „Die unkomplizierte Kommunikation über das Internet hilft uns dabei natürlich enorm.“ Zwischen 1997 und 2007 haben fünf Konferenzen mit zuletzt 245 Teilnehmern aus Journalismus, Wissenschaft und Verbänden stattgefunden. Die nächste ist für 2009 geplant. Er sprach in Dortmund einen Satz aus, der gleichsam als ein Leitmotiv dieser Organisation dienen könnte: „Es braucht nur wenig, um eine mächtige Organisation nervös zu machen.“ Der Weltfußballverband Fifa etwa lehnte eine Teilnahme an der Konferenz bisher ab, weil der britische Enthüllungsjournalist Andrew Jennings auf der Rednerliste stand.

Doch manchmal kann auch Play the Game nicht mehr viel tun – außer eine Öffentlichkeit herzustellen, wenn es schon zu spät ist. „Zwischen 2001 und 2007 sind uns 31 Attacken auf Sportjournalisten bekannt, fünf kamen ums Leben“, erzählte Andersen. „Das war zwar außerhalb Europas, macht das Leben für die Familien aber nicht leichter.“

Sebastian Krass