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Bedingt ermittlungsbereit: Sportjournalisten und Recherche PDF Drucken

David Walsh, Andrew Jennings, Hajo Seppelt oder Jens Weinreich gelten unter Sportjournalisten als Exoten. Obwohl sie nur konsequent das tun, was Journalisten grundsätzlich tun sollten: Sie recherchieren. In US-amerikanischen Zeitungsredaktionen ist investigative reporting gelebte Tradition. Deutschen Sportreportern ist es dagegen häufig suspekt. Sie sind nur bedingt ermittlungsbereit, sagen Lars-Marten Nagel und Sebastian Fleischmann.

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Lars-Marten Nagel
Nagels Diplomarbeit, die er am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig vorgelegt hat, hat das Netzwerk Recherche inzwischen in Buchform aufgelegt. Unter dem Arbeitstitel „Bedingt ermittlungsbereit“ hat Nagel deutsche und US-amerikanische Tageszeitungsredakteure zu ihren Recherchepraktiken, Arbeitsbedingungen und Grundeinstellungen befragt. Fazit: Investigativer Journalismus ist in der deutschen Medienlandschaft kein strukturelles Element – bis auf wenige Ausnahmen. Rechercheure stecken oft bis zum Hals im Tagesgeschäft, wenn überhaupt leisten sich die überregionalen Qualitätszeitungen hauptamtliche Recherche-Pools.

Ganz anders in den USA. Viele Verlage stellen dort spezielle Recherche-Desks zusammen, die vom Tagesgeschäft freigestellt sind. Sie leisten sich Experten in Interviewpsychologie, beschäftigen oft riesige Rechtsabteilungen. Kurz und gut: In den USA ist investigative Recherche etabliert und institutionalisiert.

Unterschiedliches Demokratieverständnis 

Die Unterschiede begründet Lars-Marten Nagel unter anderem mit einem gänzlich unterschiedlichen Demokratieverständnis: „In den USA werden Eliten traditionell kritisch beobachtet. Medien haben die watchdog-Funktion. Journalisten fühlen sich oft als Robin Hood, kämpfen für die Kleinen.“ In Deutschland seien demokratische Ideen dagegen erst nach dem Zweiten Weltkrieg importiert worden, Obrigkeitsglaube sei nach wie vor weit verbreitet. Journalisten sähen sich oft als neutrale Vermittler. Außerdem gebe es in den USA deutlich weniger Informationsbarrieren als in Deutschland. „Und ein Pulitzerpreis bringt in den USA viel Prestige. In Deutschland gibt’s dagegen kaum Preise für gute Recherche“, so Nagel.

Bei allem Lob für US-Rechercheure – beim Thema Irak-Krieg lagen sie wohl im Tiefschlaf. „Ähnlich wie schon im Ersten und Zweiten Weltkrieg dominierte wohl der Patriotismus“, mutmaßt Nagel.

Online-Befragung zu investigativem Sportjournalismus 

Was er für den deutschen Journalismus allgemein konstatierte, betonte Sebastian Fleischmann für die Sportberichterstattung. Die Hypothese seiner Diplomarbeit am Lehrstuhl Journalistik der Katholischen Universität Eichstätt: Die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für investigativen Sportjournalismus in Deutschland sind mangelhaft. 159 Sportjournalisten aller Mediengattungen beteiligten sich an seiner Online-Befragung. Darin manifestierte sich einmal mehr das Vermittler-Verständnis vieler Redakteure. Wozu kritisch nachhaken – schließlich berichte man doch die schönste Nebensache der Welt. Das Problem der Nähe zum Objekt der Berichterstattung ist dementsprechend ausgeprägt, Fantum weit verbreitet. Außerdem sind die Sach- und Sparzwänge in vielen Sportredaktionen besonders ausgeprägt, die Ressourcen für Qualität dementsprechend knapp. „Die Ergebnisse der bekannten Studien von Weischenberg und Görner sind offenbar auch im Jahr 2007 noch gültig“, bilanziert Fleischmann.

Experteninterviews mit den wenigen bekannten Rechercheuren im deutschen Sportjournalismus ergänzten die Online-Befragung. Sebastian Fleischmann sprach unter anderem mit Protagonisten der Dortmunder Sportkonferenz; Jens Weinrich, Thomas Kistner und Hajo Seppelt. Sie waren sich erwartungsgemäß einig, forderten mehr Mut und Engagement. Erich Laaser vertrat als Präsident des Verbandes deutscher Sportjournalisten (VdS) freilich die Mehrheitsmeinung: „Wir brauchen kritische Solidarität“, diktierte er Fleischmann in den Block.

David Mache