| Professor Pätzold zur Pressefreiheit im Nordirak im dpa-Interview |
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Pressefreiheit im Nordirak: Deutsche Journalistik-Experten helfen = Dortmund (dpa) - Die Zeitungen im kurdischen Nordirak sind noch weit entfernt vom Niveau europäischer Printmedien. «Sie sind nicht professionell gemacht und sehen eher aus wie Schülerzeitungen», sagte der Journalistik-Professor Ulrich Pätzold von der Universität Dortmund der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er und drei andere Experten der Dortmunder Projektgruppe «Pressefreiheit Nordirak Kurdistan» beobachten die Medien im Nordirak seit rund vier Jahren und wollen helfen, dort ein unabhängiges Mediensystem einzurichten. «Im Nordirak sind bereits relativ demokratische Strukturen aufgebaut worden», berichtet der Direktor des Instituts für Journalistik. Ein unabhängiges Mediensystem bestehe jedoch noch nicht. Zwar gebe es auf dem Papier über 670 Zeitungen, Zeitschriften, TV- und Radioprogramme. Die Medien seien jedoch fest in den Händen von zwei großen Parteien, die sie finanzierten. Die Zeitungen erschienen außerdem unregelmäßig und erreichten bei einer Bevölkerung von rund vier Millionen nur eine Auflage von insgesamt etwa 40 000 Exemplaren. Überdies sei die Informationsform «Nachricht» noch völlig unbekannt, sagte Pätzold. «In den Zeitungen schreiben alle möglichen Leute etwas ohne formale Kenntnisse. Demokratie ohne richtige Zeitungen und einen unabhängigen Rundfunk ist jedoch auf Dauer nicht denkbar. Das weiß dort jeder.» Die Regionalregierung unterstützt das Hilfsangebot aus Deutschland und hat Gelder für den Aufbau unabhängiger Medien zur Verfügung gestellt. Zunächst soll eine Nachrichtenagentur gegründet werden. Mit Hilfe der «Agentur Kurdistan» sollen die Medien die Bevölkerung im Nordirak dann besser über wichtige Ereignisse in der Region und im Ausland informieren können. Umgekehrt soll die Agentur Neuigkeiten aus der Region ungefiltert ins Ausland liefern. Ein Gebäude für die Agentur gibt es bereits: in Erbil, der Hauptstadt der Kurden im Nordirak - komplett mit neuester Technik eingerichtet. «Jeder westliche Journalist wäre tief beeindruckt», sagte Pätzold. Nur die Redakteure fehlten - 30 sollen es werden. Sie würden derzeit noch an der Universität der Stadt Sulaymaniya ausgebildet. «Wir wollen die besten, die es gibt.» Die geplante dreiköpfige Chefredaktion soll möglicherweise in Deutschland eine besondere Schulung erhalten. Wann die neue Agentur ihre Arbeit aufnimmt, ist jedoch noch unklar. Vor allem in den vergangenen Wochen seien die Gespräche mit den nordirakischen Partnern schwierig geworden. «In der Sache bewegt sich gerade nichts.» Als Grund vermutet Pätzold vor allem das noch in diesem Jahr geplante Referendum in der Öl-Stadt Kirkuk, bei dem die Bevölkerung entscheiden soll, ob sie zum autonomen Kurdengebiet gehören will oder nicht. Auch das Selbstmordattentat, bei dem vor knapp zwei Wochen in Erbil 20 Menschen starben, habe deutlich gemacht: «Es gibt im Nordirak derzeit andere Prioritäten.» (Gespräch: Helge Toben, dpa) |







