| Zwischen Piroggi und Polskapresse – Eine Reise nach Warschau |
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48 Stunden Warschau – Eine Reise durch die Medienlandschaft Polens. 16 Journalistik-Studierende, allesamt Teilnehmer des Seminars „Innovationen des europäischen Journalismus, Fokus - Polen“, haben sich dieser Herausforderung gestellt und die polnische Hauptstadt, ihre Medienhäuser und Journalisten besucht. Eva Zimmermann hat die Eindrücke der Exkursion in einer Reportage zusammengefasst. Lesen Sie hier mehr dazu: Eine Reportage von Eva Zimmermann
Unser Hostel hat gerade seine gediegene aber leckere Frühstücksbar
eröffnet, da müssen wir uns auch schon auf den Weg zu unserem ersten
Termin machen. Wie die meisten der Orte, die wir in den zwei Tagen
aufsuchen werden, liegt auch das Studio der ARD nicht im Stadtkern
Warschaus. Der Verkehr sei zu dicht in dieser Stadt, sagen die
Journalisten, wenn wir sie auf ihre Redaktionen in den Außenbezirken
ansprechen. Die Büros am Rande seien einfach schneller zu erreichen. Schnell wird klar, dass wir ohne unsere polnische Erasmus-Studentin
Magda verloren wären, denn unsere Orientierung haben wir schon
verloren, bevor wir das erste Ziel überhaupt erreichen.
Um die journalistische Ausbildung in Polen, aber vor allem um den
Online-Journalismus geht es anschließend bei unserem Besuch beim Verlag
der „Polskapresse“, der besonders im Regional-Journalismus stark ist.
Zwar bleibt uns das Konzept zum verlagseigenen Portal, das uns stolz
als Mix von Sozialem Netzwerk und Newsticker vorgestellte wird, bis zum
Schluss bezüglich des zugesicherten Infowertes ein Rätsel, aber dafür
werden uns die unkonventionellen Ausbildungswege für junge polnische
Journalisten klarer gemacht.
Zwar hat die Frühstücksbar an diesem Morgen – im Verdacht, dass die
deutsche Gruppe wieder so früh aus den Federn springt – schon etwas
eher geöffnet, vielen bleibt trotzdem nur Zeit für einen eilig
hinuntergestürzten Kaffee. Schließlich stehen die nächsten Termine an.
So weit außerhalb der Verlag „Axel Springer Polska“ doch sein mächtiges
Redaktionsgebäude hochgezogen hat, so sehr ist er das Zentrum für den
polnischen Journalismus. Neben „Newsweek Polska“ und „Forbes Polska“
beherrscht der Verlag vor allem mit seinem Boulevard-Produkt „Fakt“ den
Markt. Als Pendant zur deutschen Schwester „Bild“ lockt auch „Fakt“ die
Leser mit großen Lettern und exklusiven Geschichten. Immerhin spielt
„Fakt“ mit einer Auflage von 150.000 auf den vorderen Rängen der
polnischen Print-Liga mit. Anders als in Deutschland allerdings schätzt
man in Polen ganz besonders die Kiosk-Gänger. 95% kaufen sich nach
Angaben des Springer-Verlags ihre Tageszeitung am Kiosk.
Zu Gast beim polnischen Fernsehen
Um zu unserem letzten Termin zu gelangen, haben wir wieder die
komplette Stadt durchquert. Am Ziel erwartet uns Adam Pieczynski vom
privaten TV-Sender „TVN“. Der flinke, schon etwas ergraute Journalist
machte nach seiner kurzen Präsentation schnell klar, dass er eigentlich
nur noch eine viertel Stunde Zeit hat – die flughafenähnliche
Einlasskontrolle hatte unsere Verspätung nur noch verschlimmert. Der
Rundgang durch das moderne Gebäude spricht aber für sich. Während man
in der Eingangshalle Besucher beim Kaffee trinken und Sushi essen
beobachten kann, läuft im angrenzenden, verglasten Nachrichten-Studio
die aktuelle Sendung. Knappe drei Stunden verbleiben uns nun noch in
Warschau. Die Arbeit ist beendet, der Nachmittag macht Platz für ein
wenig Sightseeing. Einige von uns nutzen die Zeit noch, um einen Blick in die Altstadt zu werfen. Das eigentliche Herz der Stadt, wie es scheint. Kleine Cafés preisen auf den Glasscheiben mit geschwungener Schrift ihre Kaffeespezialitäten an, um den urigen Marktplatz drängen sich farbige Altbauten aneinander und auf den roten Giebeln der Häuser gurren Tauben. Am Hauptbahnhof Warschaus angekommen, scheint uns derselbe Nebel zu verabschieden, der uns bei unserer Ankunft begrüßt hat. Nur unser Blick auf die Stadt, das Land und seine Medien ist in den vergangenen zwei Tage um einiges klarer geworden. |







