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Pilotprojekt zur Medienverantwortung in Tunesien

Nach Jahrzehnten der Diktatur kann in Tunesien ein kritischer und unabhängiger Journalismus entstehen. Dazu gehört es auch Medien-Ombudsleute in den Redaktionen zu etablieren, die Beschwerden aus dem Publikum über die Richtigkeit, Ausgewogenheit und ethische Aspekte der Berichterstattung ernst nehmen, selber auf Missstände aufmerksam machen und in Dialog mit Journalisten treten. Das Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus der TU Dortmund und Mena Media Monitoring (Tunis) veranstalten daher einen AA-Medienworkshop für zukünftige Ombudsleute in Tunesien.

Mit dem vom Auswärtigen Amt geförderten Projekt „Ombudsleute in tunesischen Redaktionen“ hat sich das Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus (EBI) der TU Dortmund zum Ziel gesetzt, führende Redaktionen in Tunesien für das Konzept der Medienselbstverantwortung zu sensibilisieren und Ombudsleute in den Redaktionen zu etablieren. Das Projekt wird auch von der tunesischen Medieninstitution HAICA (Haute autorité indépendante de la communication audiovisuelle) unterstützt, deren Vorsitzender, Dr. Nouri Lajmi, die Notwendigkeit von Ombudsleuten für die tunesische Medienlandschaft unterstrich. Bislang ist das Modell des Ombudsmanns jedoch nur in einer tunesischen Redaktion testweise im Einsatz.

Im Mittelpunkt des dreitägigen Workshops mit sieben Vertretern tunesischer Medienhäuser, den das EBI in Zusammenarbeit mit der Mena Media Monitoring Group in Tunis durchgeführt hat, stand das Konzept des Medien-Ombudsmanns. Der Workshop knüpfte inhaltlich an die Ergebnisse des EU-Forschungsprojekts MediaAcT und einen Runden Tisch mit Vertretern verschiedener tunesischer Medien im Dezember 2014 an.

Medienexperten aus Deutschland und der Region diskutierten mit den Teilnehmern vor allem über die Rolle von Ombudsleuten und ihre Aufgaben. Die beiden ehemaligen Ombudsleute Yavus Bayder (Sabah Newspaper, Türkei) und Irvan Süleyman (Yenidüzen Newspaper, Zypern) betonten, dass der Rückhalt innerhalb seines Medienunternehmens über Erfolg oder Misserfolg eines Ombudsmanns entscheide. Dazu gehören nicht nur eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Verwaltung und Eigentümern. Entscheidend sei auch, dass „die Redakteure an die Idee glauben und sie unterstützen“, so Süleyman. Denn die Journalisten sind diejenigen, die Kritik an ihrer Arbeit annehmen müssen, die häufig auf unprofessionelle journalistische Praktiken abziele. Dazu gehören zum Beispiel der richtige Umgang mit geheimen Dokumenten oder anonymen Quellen oder die klare Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung.

Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops war die Frage, wie die Teilnehmer professionell mit Beschwerden oder Anregungen aus dem Publikum oder von politischen Akteuren umgehen können. Anhand zahlreicher Beispiele aus Praxis und Forschung diskutierten die Teilnehmer des Workshops mögliche Beschwerde-Prozeduren unter anderem mit Hedi Snoussi (Ombudsmann desRadiosenders Mosaïque, Tunesien), Dr. Sadok Hammami (IPSI, Université de la Manouba, Tunesien) und Ines Drefs (Universität Hamburg und Ruhr-Universität Bochum, Deutschland).

In Praxis-Werkstätten entwickelten die Teilnehmer ein Leitbild für ihre zukünftige Arbeit und entwarfen erste Strategien für den Umgang mit Kollegen und Publikum. Wie viel sie davon in der im Juni beginnenden Testphase tatsächlich umsetzen konnten, wird Thema einer Abschlusskonferenz im Dezember 2015 in Tunis sein. EBI und MMM werden in Kooperation mit weiteren Partnern die Teilnehmer während der Testphase beratend begleiten und ihre Arbeit evaluieren.

Die Leiterin des Projekts Prof. Dr. Susanne Fengler (rechts) mit Dr. Judith Pies, Koordinatorin des Projekts und Nouri Lajmi, Vorsitzender der HAICA.

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