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"Wir dürfen die Erosion der Pressefreiheit nicht resigniert hinnehmen"

Prof. Dr. Henrik Müller, geschäftsführender Direktor des Instituts für Journalistik, erläutert zum heutigen internationalen Tag der Pressefreiheit, wie wichtig unabhängige Medien und die Ausbildung von Journalist:innen für die Demokratie sind.

Wir dürfen die Erosion der Pressefreiheit nicht resigniert hinnehmen. Wenn das Vertrauen in journalistische Medien ausgehöhlt wird, leidet die Demokratie. Deutschland schneidet in internationalen Vergleichen zwar noch gut bis zufriedenstellend ab; das Vertrauen in die Arbeit von Presse, Fernsehen und Radio ist vergleichsweise groß. Aber auch bei uns hegen viele Leute Zweifel, ob nicht Politik und Wirtschaft Druck auf die Berichterstattung ausüben. Das Gefühl, mit falschen oder verzerrten Darstellungen konfrontiert zu sein, ist verbreitet. Das unreflektierte Schimpfen über „die Medien“ ist zu einer Art Volkssport geworden. Übergriffe gegen Reporterinnen und Reporter gehören inzwischen leider zur Normalität.

Wahrheit und Freiheit gehen gemeinsam zugrunde – die eine ist ohne die andere nicht zu haben. In vielen Ländern war diese schlimme Dynamik in den vergangenen Jahren zu beobachten: Illiberale Regimes versuchen, zunächst die Glaubwürdigkeit unabhängiger Medien zu unterminieren, dann ihre Spielräume immer weiter einzuschränken und sie schließlich unter die Kontrolle des Staates oder regimenaher Oligarchen zu bringen. Die wirtschaftliche Krise vieler Medien sowie die Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Pandemie haben diese Tendenzen begünstigt. Nun bringt der russische Angriff auf die Ukraine einen Propaganda-Feldzug mit sich, der das Vertrauen weiter schwächen dürfte.

Nur unabhängige Medien können Informationen über den wirklichen Zustand der Gesellschaft, über ihre tatsächlichen Probleme und tragfähige Lösungsansätze zutage fördern. Als Plattformen für zivilisierte, erhellende Debatten gehören sie zur unverzichtbaren Infrastruktur der Demokratie. Glücklicherweise gibt es nach wie vor engagierte junge Leute, die genau dies zu ihrem Beruf machen wollen. Am Institut für Journalistik der TU Dortmund erleben wir tagtäglich viele von ihnen. Unsere Aufgabe besteht darin, ihnen das Wissen und die praktischen Fähigkeiten zu vermitteln, um qualitativ hochwertig und unabhängig arbeiten zu können. Die Freiheit zu sagen, was ist, werden sie sich immer wieder selbst nehmen müssen – auch gegen Widerstände. 

Prof. Dr. Henrik Müller / Foto: Institut für Journalistik, TU Dortmund

Foto: istock.com/spukkato

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