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Zwischen Demokratie und IS-Terror: Herausforderungen für den Journalismus in Tunesien

IS-Terror, religiöse Konflikte, Bürgerkrieg – die arabische Welt ist in Aufruhr. Während die Region von Libyen bis zum Irak unter extremen Spannungen und tödlichen Konflikten leidet, gilt Tunesien inzwischen als letzter Hoffnungsträger auf dem Weg zu einer demokratischen Entwicklung

Dies gilt auch für die Pressefreiheit: Im aktuellen Ranking von „Reporter ohne Grenzen“ hat sich Tunesien seit dem Sturz des Diktators Ben Ali im Jahr 2011 kontinuierlich verbessert (Ranking 2016: Rang 96) und schneidet besser ab als beispielsweise das krisengeschüttelte Ägypten (Rang 159) oder das relativ stabile Saudi-Arabien (Rang 165).

Erich-Brost-Institut bildet Ombudsleute für Mediendialog aus

Hier setzt das vom Auswärtigen Amt geförderte Projekt „Ombudsleute in Tunesien“ des Erich-Brost-Instituts für internationalen Journalismus an. Das EBI unterstützt die tunesischen Ombudsleute seit 2014 gemeinsam in Kooperation mit Mena Media Monitoring und bietet unter anderem Fortbildungen und Netzwerkarbeit an. Dabei entstand ein Handbuch für Ombudsleute auf Arabisch.

Training in Dortmund und Paris

Im September 2016 begrüßte das Projektteam nun eine Gruppe von zehn tunesischen Ombudsleuten zu einem einwöchigen Workshop in Dortmund und Paris. In Dortmund reflektierten sie gemeinsam mit den erfahrenen französischen Ombudsleuten Jean-Pierre Constantin (Radio France International) und Nicolas Jacobs (France 2) sowie der marokkanischen Ombudsfrau Zouhour Himmich (SNRT) ihre Aufgaben und Rollen. „Ich bin begeistert von den Diskussionen. Die Teilnehmer haben bereits eine differenzierte Meinung zu Fragen journalistischer Ethik. Das ist Grundlage für die Arbeit als Ombudsman“, sagte Nicolas Jacobs. Die Tunesier sammelten und diskutierten gemeinsam mit ihren Kollegen Fallbeispiele und berichteten von bisweilen schwierigen Verhandlungen mit Publikum, Journalisten und Vorgesetzten.

In Paris trafen sie während kurzer Hospitanzen in verschiedenen Hörfunk- und TV-Redaktionen wie France 2 und Radio France 24 weitere ihrer französischen Kollegen. Neben den Redaktionsbesuchen in kleinen Gruppen verfolgten die tunesischen Teilnehmer unter anderem auch die Vorbereitung und Aufzeichnung der monatlichen Sendung „Votre télé et vous“ der französischen Ombudsfrau Marie Laure Augry (France 3). Das Konzept der Mediation hat in Frankreich bereits eine lange Tradition, insgesamt gibt es zwölf französische Ombudsleute in Presse, Rundfunk und Fernsehen.

Da sich das tunesische und das französische Mediensystem auch in andere Hinsicht ähneln und die Teilnehmer mit Französisch eine gemeinsame Sprache sprechen, können vom engeren Austausch zwischen tunesischen und französischen Ombudsleuten beide Seiten profitieren. Der tunesisch-französische Dialog war geprägt von Neugier auf den Arbeitsalltag der anderen. Dank zahlreicher gemeinsamer Themen, wie das Problem der Akzeptanz in den Redaktionen, entspannen sich schnell intensive Gespräche. Geplant unter anderem sind weitere Redaktionsbesuche und Hospitanzen in Frankreich und Marokko sowie regelmäßige Treffen in Tunesien.

Die nächsten Schritte in Tunesien

Die tunesischen Teilnehmer reisten mit zum Teil sehr klaren Vorstellungen von ihren nächsten Schritten als Ombudsmänner zurück nach Tunis und in die südlichen Provinzen Tunesiens. Auf ihren to-do-Listen stehen unter anderem Diskussionen mit Kollegen und Publikum oder das Vorbereiten eines ersten Radio-Spots, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Unterstützt werden sie dabei nicht nur von EBI und MMM, sondern auch von den Projektpartnern Journalisten-Trainingscenter CAPJC und die Regulationsbehörde HAICA, die sich ebenfalls an den Diskussionsrunden in Dortmund und Paris beteiligt hatten. Alle Beteiligten hoffen auf einen weiteren fruchtbaren Austausch zwischen Deutschland, Tunesien, Frankreich und Marokko.

Weiterführende Links:

Radio France: Le médiateur de Radio France recoit ses homologues tunisiens.

France Info: Votre Télé et vous: Médias et Terrorisme : comment Informer sans Glorifier?

Radhia Saidi (HAICA) im Gespräch mit den tunesischen Ombudsleuten

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