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Rückschau „Media and Migration“ – Eine Konferenz eröffnet neue Perspektiven

Zu Hunderttausenden strömen derzeit Flüchtlinge nach Deutschland. Aber welche Bilder von Deutschland haben sie dabei im Kopf – und welche Rolle spielen die Medien in den Herkunftsländern der Migranten bei deren Entstehung? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Konferenz, die das Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus der TU Dortmund in Kooperation mit dem Verein Africa Positive e.V. und der Otto Friedrich Universität Bamberg ausgerichtet hatte.

Die Konferenz „Media and Migration: Perspectives from Africa – Challenges for Europe“ verfolgte  Ende Oktober im Erich-Brost-Institut in Dortmund dabei das Ziel, die Auslandsberichterstattung europäischer wie afrikanischer Medien weiterzuentwickeln. „Wir wollen aber keine künstliche Lösung aus Europa in Afrika implementieren“, machte Veye Tatah, Vorsitzende von Africa Positive e.V. deutlich und Prof. Dr. Susanne Fengler, Leiterin des Erich-Brost-Instituts für internationalen Journalismus der TU Dortmund erklärte dazu: „Die Konferenz ist erst der Startpunkt für etwas Größeres.“ Die Organisatoren planen im Rahmen des Projekts „Journalism in a Global Context“ eine Plattform, die künftig afrikanische und deutsche Journalisten miteinander vernetzt. Gemeinsam mit internationalen Partnern soll ein interkultureller Austausch zwischen Journalistikstudenten deutscher und afrikanischer Hochschulen ermöglicht werden.

Markus Klinger, vom Auswärtigen Amt, welches die Konferenz gemeinsam mit der Deutschen Welle als Kooperationspartner unterstützte, erklärte die aktuelle Situation gleich zu Beginn der Konferenz so: „Menschen, die sich auf den Weg nach Europa machen, haben bereits eine Idee was Europa ist“. Man müsse falschen Informationen entgegenwirken und richtige verbreiten – Informationen könnten Veränderungen bringen, meinte er.  Eric Chinje, der aus Kamerun stammende Journalist und Leiter der African Media Initiative (NGO mit Hauptsitz in Nairobi in Kenia), pflichtete seinem Vorredner der Konferenz bei: „ Medien haben eine große Macht. Wir können Gesellschaften verändern.“ 

Dass es für eine Veränderung höchste Zeit ist, erläuterte auch Prof. Dr. Markus Behmer, Universität Bamberg: „Ich habe das Gefühl, dass wenn wir im Moment in die Medien gucken, wir zurückgefallen sind und Afrika als einen Kontinent der aktuellen Krise präsentiert bekommen.“  Es müsse eben um mehr gehen. „Die Ursachen der Flüchtlingswelle, die Menschen nach Europa treiben, werden bisher medial ausgeblendet“, so die einhellige Meinung der auf der Konferenz versammelten, führenden Medienforscher aus Äthiopien, Kenia, Tansania, Ghana, Kamerun und Uganda. Es fehle die Berichterstattung über tiefliegende Ursachen wie korrupte Regierungen, internationale Multis, die die Rohstoffe der afrikanischen Länder ausbeuten, und die globale Waffenindustrie.

Auch Katya Andrusz, Redakteurin bei der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, kritisierte in einem Impulsvortrag am Nachmittag der Konferenz die Medien: „Ich könnte in eine tiefe Depression fallen, wenn ich die europäische Presse lese“. Es herrsche eine weitverbreitete Fremdenfeindlichkeit gegen Migranten in Europa, eine „unbestimmte Angst“ in der Bevölkerung – geschürt von den Medien, denen die Selbstreflektion im Umgang mit dem Thema oft fehle. Viele Journalisten würden nicht wahrnehmen, welche Chance die Flüchtlinge für die immer älter werdende europäische Bevölkerung bedeuten können – und lenken stattdessen ihre ganze Aufmerksamkeit auf den kulturellen Einfluss sowie die Kosten für die Unterbringung und Versorgung der Einwanderer. Flüchtlinge am Rand der Gesellschaft?  „Die Medien haben den Einfluss und die Verantwortung als  einflussreiche Kraft dagegen zusteuern“, betonte Andrusz.

Ob sich die Berichterstattung in allen EU-Staaten gleichsam unausgewogen gestaltet, wurde in einer anschließenden Podiumsdiskussion debattiert. Der britische Kenia-Korrespondent James Jeffrey, der schwedische Kolumnist Per Svensson, die rumänische Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Raluca Nicoleta Radu sowie der deutsche Auslandskorrespondent Michael Unger teilten ihre Erfahrungen. Besonders in der britischen Presse herrschen laut Jeffrey eine „polarisierende, aufgewühlte Debatte nah an Hysterie“ und  „irrationale Ängste vor der muslimischen Kultur“. Schweden zeige sich dagegen auch durch die Medien als „eines der wenigen Länder, das Flüchtlinge willkommen heißt“, sagte Per Svensson. Allerdings ließe sich der Trend beobachten, dass die Flüchtlingsbewegung zunehmend auch als Problem dargestellt werde. „Es wird immer häufiger gefragt: Was ist der politische Preis für die Aufnahme der Menschen?“, so Svensson. In Rumänien spiele die Flüchtlingsproblematik eine eher untergeordnete Rolle, merkte Reluca Nicoleta Radu an. Das Land liegt nicht auf der Balkanroute, gilt unter Flüchtlingen weder als Ziel-, noch als Transitland. „Wir haben keinen Zuwanderungsdruck und das merkt man auch in der Presse.“ Die Schilderung solch verschiedener Eindrücke zeigte: Die Berichterstattung über Flüchtlinge in Europa ist so unterschiedlich wie die Flüchtlingspolitik der einzelnen Länder. Die Frage nach einer europäischen Öffentlichkeit, sie rückt im Zuge der Flüchtlingsthematik in weite Ferne.

Presseecho:

Deutschlandfunk – Markt und Medien: „Medien und Migration – Initiative und Tagung in Dortmund“: http://www.deutschlandfunk.de/markt-und-medien.760.de.html

WDR 5: http://www.wdr5.de/sendungen/toenetextebilder/Afrika106.html

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