Zu Gast am EBI: Prof. Danilo Rothberg und Prof. Rita Paulino

Danilo Rothberg forscht zur Informationsfreiheit – Rita Paulino entwickelt ein Newsgame.

Prof. Dr. Danilo Rothberg von der Staatlichen Universität São Paulo und Prof. Dr. Rita Paulino von der Bundesuniversität von Santa Catarina (UFSC) in Brasilien sind zurzeit im Rahmen des Projekts „Communication and Democracy: Media Accountability, Public Service Media, Internet Access and the Right to Information in Germany and Brazil“ zwei Wochen zu Gast am Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus (EBI).

Danilo Rothberg ist Professor für Kommunikationssoziologie an der Staatlichen Universität São Paulo und der brasilianische Koordinator des Projekts, das vom Probral-Programm des CAPES, der brasilianischen Förderagentur für Hochschulbildung, und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) unterstützt wird. Er war als Gastprofessor an der University of Warwick, dem King's College London, der Open University (Vereinigtes Königreich) und der Université de Lorraine (Frankreich) tätig. Zu seinen Forschungsinteressen zählen das Recht auf Information, die Ethik und Soziologie des Journalismus und der Kommunikation sowie Gesundheits-, Umwelt- und Klimawandelkommunikation.

Rita Paulino ist Professorin für Journalismus an der Bundesuniversität von Santa Catarina (UFSC) in Brasilien. 2020 war sie Fellow am Social Media Lab der Ryerson University im kanadischen Toronto. In ihrer angewandten Forschung beschäftigt sie sich mit digitalen Methoden zur Analyse von Daten in sozialen Medien, interaktiven Inhalten, progressiven WebApps und Newsgames.

Im Folgenden erläutern Prof. Rothberg und Prof. Paulino ihre Aktivitäten während ihres Aufenthalts am Erich-Brost-Institut:

Woran forschen Sie, was ist Ihre Aufgabe innerhalb des Projekts?

Rothberg: Im Fokus meines Aufenthalts steht eine Recherche, wie Journalismus und öffentliche Kommunikation zum Recht auf Information beitragen können, insbesondere in Bezug auf die Transparenz der Umwelt- und Klimakommunikation.

Ich plane auch, zu diesem Thema und meinen anderen Forschungsgebieten Vorträge zu halten.

Paulino: Ich entwickele im Rahmen des Projekts ein Newsgame, in dem es um Kommunikation, Demokratie und Migration geht. Im Fokus des Spiels soll ein Student oder frischgebackener Absolvent des Fachs Journalismus stehen, der lernen soll, wie man über Migration berichtet. Während des Spiels werden Situationen auftreten, die sich auf Fragen der Demokratie, der Kommunikation und Fake News beziehen.

Inwiefern kommt in Ihren Projekten eine deutsche oder vergleichende Perspektive zum Tragen?

Paulino: Das Spiel wird auf Deutsch, Englisch und Portugiesisch verfügbar sein und soll in der Journalistenausbildung in Deutschland und Brasilien eingesetzt werden. Brasilien kann zum Thema Einwanderung noch viel von Deutschland lernen. Während meines Aufenthalts am EBI führe ich Interviews mit Experten, die ich für die Entwicklung der Szenarien des Spiels benötige. Im Spiel wird es auch Verweise auf das von Prof. Susanne Fengler, Anna Carina Zappe und Monika Lengauer herausgegebene UNESCO-Handbuch „Reporting on Migrants and Refugees“ geben.

Rothberg: Ich hoffe, bei meiner Recherche nützliche Informationen zu finden, die eine vergleichende deutsch-europäische und brasilianisch-lateinamerikanische Perspektive auf gemeinsame Herausforderungen wie Klimawandelkommunikation oder Informationsfreiheit ermöglichen. Soweit ich weiß, sind in Deutschland gesetzliche Regelungen, die proaktiv die Transparenz von öffentlicher Politik erhöhen, aus Initiativen der Gesellschaft im Dialog mit dem Gesetzgeber auf lokaler oder regionaler Ebene entstanden, wie z.B. das Hamburgische Transparenzgesetz von 2012 und das Berliner Informationsfreiheitsgesetz. In Brasilien ist es Tradition, öffentliche Konsultationen in verschiedenen Bereichen der öffentlichen Politik durchzuführen, was den Dialog mit der Gesellschaft ebenfalls erleichtert. Auch wenn das beim brasilianischen Informationsfreiheitsgesetz nur eingeschränkt der Fall war, gab es diesen Dialog zwischen Gesellschaft und Parlament in Form eines formellen Konsultationsverfahrens im Fall der Rahmengesetzgebung für Bürgerrecht im Internet.Da Brasilien und Deutschland föderale Länder sind, in denen die Bundesstaaten und Bundesländer mit Regierungsautonomie ausgestattet sind, lassen sich auch mit Blick auf das Recht auf Information interessante Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede entdecken.

Darüber hinaus gibt es erhebliche Unterschiede zwischen brasilianischen und deutschen Ansichten über den Klimawandel sowie bei Mustern der Mediennutzung und -information, die es wert sein könnten, untersucht zu werden.

 

Zurzeit forschen auch Dr. Daniele Seridório von der Staatlichen Universität São Paulo und Prof. Dr. Sivaldo Pereira da Silva von der Universität Brasília (UnB) in Brasilien im Rahmen des Projekts „Communication and Democracy: Media Accountability, Public Service Media, Internet Access and the Right to Information in Germany and Brazil“ für ein Jahr am EBI. 

 

Prof. Dr. Danilo Rothberg / Foto: privat

Prof. Dr. Rita Paulino / Foto: privat