“Where Science meets Computer Assisted Reporting” – so lautet das Motto der SciCAR-Konferenz, die nun schon zum zehnten Mal in Dortmund stattfand. Computer Assisted Reporting bezeichnet ein journalistisches Handwerk, das sich zuerst im US-amerikanischen Journalismus entwickelte, im deutschsprachigen Raum inzwischen aber als Datenjournalismus bekannt ist. Ist CAR als Begriff dann überhaupt noch zeitgemäß? Auf jeden Fall, so Rahul Bhargava in seiner Keynote „Training Data Journalists in the AI Era“. Darin plädierte er für einen sorgsamen Einsatz von und eine kritische Berichterstattung über künstliche Intelligenz – mit dem Ziel umsichtiger Lernprozesse: „learn CARefully“ eben. Bhargava, Assistant Professor of Journalism and Art + Design an der Northeastern University in Boston, teilte reichhaltige Erfahrungen aus der Ausbildung in Zeiten generativer KI.
Auch Jessica Heesen ging in ihrer Keynote „Wie menschlich ist die Künstliche Intelligenz?“ zur Eröffnung der SciCAR auf diese Technologie ein. Die Professorin am Philosophischen Seminar der Universität Tübingen beleuchtete vor allem KI-Systeme, die als menschlich wahrgenommen werden und die Erwartungen an gesellschaftliche Interaktionen verändern. Konkrete datenjournalistische Projekte und Arbeitsweisen stellte Elisabetta Tola in der dritten Keynote vor: „From Sources to Partners: How Expert-Reviewed Journalism is Changing Investigative Reporting“ demonstrierte eindrucksvoll, wie eine Integration wissenschaftlicher Methoden im Journalismus dafür sorgt, dass sich die Grenzen des Möglichen verschieben.
Neben den Keynotes konnten die Teilnehmenden der SciCAR in 22 Sessions Einblicke in wegweisende Projekte erhalten, neue Datenquellen kennenlernen und Methoden ausprobieren. Schwerpunkte waren die Automatisierung redaktioneller Prozesse, offene Datenquellen in der Investigation und die Rolle von KI-Werkzeugen im Rahmen datenjournalistischer Projekte, etwa bei der Bilderkennung. So stellten Gregor Aisch und Nico Scordialo (Die Zeit) vor, wie es mithilfe lernender Algorithmen und einem interdisziplinären Team möglich war, innerhalb weniger Wochen zwölf Millionen NSDAP-Mitgliederkarteikarten zu analysieren und zugänglich zu machen. „SciCAR – die Nerdkonferenz?“ fragte Referent Jan Georg Plavec (NPG-Gruppe) im Anschluss an die Konferenz auf LinkedIn und kam nach kurzer Abwägung zum Schluss: „Wenn Nerd, dann so.“
Veranstalter der SciCAR sind Netzwerk Recherche e.V., die Wissenschaftspresskonferenz (WPK), das Science Media Center Germany und das Institut für Journalistik der TU Dortmund. Materialien der Konferenz und weitere Fotos sind online verfügbar.