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"Ein Hit, der den Test der Zeit bestanden hat."

Grußwort von Andrea Schafarczyk, crossmediale Programmdirektorin des WDR für die Bereiche Nordrhein-Westfalen, Wissen und Kultur – gehalten auf der Jubiläumsfeier des Instituts für Journalistik am 20. März 2026 in Dortmund.

"Eine Uni-Veranstaltung am Freitagabend – hatte ich lange nicht. Ich erinnere mich an lange Abende und Nächte am Schreibtisch mit einer engen Frist für eine Hausarbeit im Nacken. Wir machen das heute Abend anders – und ich verspreche: Wenn wir bis nach Mitternacht hier sind, dann weil wir so eine gute Zeit haben.

Lieber Minister Liminski,

Lieber Rektor Professor Bayer,

Liebe Bürgermeisterin Gövert,

Liebe Professorin Elmer,

Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Journalistik,

Ehemalige, Studierende, meine Damen und Herren!

Wenn ich in irgendeinem Medienhaus unterwegs bin, habe ich in Gesprächen immer wieder diesen Aha-Moment: „Ach, auch in der Emil-Figge 50 studiert?“ 

Die Absolventinnen und Absolventen aus Dortmund werden überall geschätzt, weil sie top ausgebildet sind.

Auch im WDR. Als Programmdirektorin bin ich sehr dankbar für unsere Kooperation. Seit Jahrzehnten machen Dortmunder ein Volontariat bei uns. Sie sind oft etwas jünger als andere Volos, bringen noch mal andere wertvolle Perspektiven mit ins Haus. Und viel mehr: an Handwerkszeug, Wissen und Reflexion zu unserem Beruf und unserer Rolle. 

50 Jahre Journalistik in Dortmund – das reizt natürlich, viele alte Geschichten zu erzählen. Und wir machen das hoffentlich auch gleich mit einem Getränk in der Hand. Jetzt möchte ich mit Ihnen lieber auf das Jetzt schauen – auf eine Zeit mit gewaltigen Herausforderungen für Journalismus und Medien. 

Zum Beispiel durch einen wachsenden politischen Druck in vielen Teilen der Welt. Und nicht nur in autoritären Staaten. Selbst bei uns in Europa z.B. in Polen, Ungarn oder Italien. Reporter ohne Grenzen schreiben zum Jahr 2025: „Die weltweite Lage der Pressefreiheit ist auf einem historischen Tiefstand.“

Dazu der wirtschaftliche Druck – den spüren wir auch hier in Nordrhein-Westfalen. Die neuesten Nielsen Zahlen aus dieser Woche zeigen: Der Gesamtwerbemarkt im Februar ist im Vergleich zum Vorjahr um fast 4 % gesunken. Das ist vor allem für die privaten Medienunternehmen hart. 

Als RTL Anfang des Jahres den Abbau von vielen Stellen angekündigt hat, da war das für uns alle ein Schock. Denn viele unserer Häuser reagieren mit Stellenabbau auf sinkende Werbeeinnahmen, auf die Transformation ins Digitale und den Einsatz von KI.

Und durch den technologischen Wandel stellt unser Publikum ganz andere Ansprüche an uns. 

Da muss man nur sein eigenes Nutzungsverhalten beobachten: Nachrichten und Geschichten möchte sicher jeder von uns genau so bekommen, wie es zum jeweiligen Nutzungsbedürfnis passt. Wer noch einen Fernseher hat, hat auf seiner Fernbedienung vielleicht schon Netflix und Prime Video als eigene Taste, während er ewig suchen muss, um z.B. das lineare Fernsehen zu finden. Und den meisten reicht die kurze KI-Zusammenfassung bei der Suche, z.B. über Google. Bei manchen Chatbots sind Quellen gar nicht verlinkt. Das sind nur ein paar Beispiele für die große Transformation in unserer Branche. 

Und ja, sie bietet Chancen – erst recht, wenn ich hier in diese Runde schaue. Denn wir und unsere Kolleginnen und Kollegen in den vielen Medienhäusern, wir gestalten diese besondere Zeit – und zwar immer mehr zusammen. 

Uns wird immer bewusster, dass die Konkurrenz vor allem in Kalifornien, Seattle oder Südkorea sitzt, bei Technologie-Konzernen, die über Plattformen und KI die Gatekeeper sind zu den Menschen. Wenn wir als Medien, Wissenschaft und Politik an den richtigen Stellen zusammenarbeiten, haben wir viel Kraft und Potenzial – das sollten wir besser nutzen (z.B. bei Regulierung).

Wir sollten uns in den Unternehmen viel öfter fragen: Wo liegen unsere Gemeinsamkeiten? Wie können wir uns gegenseitig stützen? Lassen Sie uns heute Abend gerne darüber sprechen.

50 Jahre Journalistik in Dortmund – das heißt auch 50 Jahre Ausbildung. Ja, die Herausforderungen sind komplexer geworden – und sie lassen sich weder mit Praxis noch mit Theorie allein lösen. 

Das ist die besondere Stärke dieses Studiengangs: eine enge Verknüpfung von fundierter Analyse mit praktischem Handwerk.

Als ich in den 90er Jahren hier studiert habe, hat mich vor allem die Praxis interessiert. Ich wollte ein Mikro in die Hand nehmen, Geschichten erzählen. Erst später ist mir klar geworden, wie hilfreich in meinem Berufsalltag das theoretische Rüstzeug ist, das ich hier bekommen habe. 

Und was muss die Journalistik heute leisten? Ich erlebe in meinem Job, dass die Aufgaben an Programmmacherinnen und -macher vielfältiger, interdisziplinärer und strategischer geworden sind. Neben der Frage, welche Programminhalte wir als WDR anbieten, geht es immer mehr darum, für wen, wo und wie wir diese anbieten und in welchem Rahmen wir das tun. Technik und Wandel spielen eine größere Rolle sowie Perspektivenvielfalt, Dialog und Vertrauen des Publikums. Da lohnt es sich draufzuschauen.

Ein Kollege in der Musikredaktion sagte einmal: „Wir spielen die alten Hits nicht aus Nostalgie, sondern weil sie den Test der Zeit bestanden haben.“ Der Satz fiel mir neulich wieder ein.

Journalistisches Handwerk, Recherche – das mögen alte Hits sein, aber sie sind weiter aktuell. Unabhängigkeit, Optimismus und Neugierde auch auf das Neue, Unerwartete, vielleicht Fremde – das sind nach wie vor die Qualitäten von Journalistinnen und Journalisten. 

Nach 50 Jahren Journalistik in Dortmund könnte man sagen: Ein Hit, der den Test der Zeit bestanden hat. Und von dem wünsche ich mir, dass wir ihn noch viele, viele Jahre gemeinsam spielen."

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