Den inhaltlichen Impuls zum Start setzte Prof. Dr. Otfried Jarren (Universität Zürich / FU Berlin). In seiner Keynote zur „Advocacy für eine demokratische Kommunikationsgesellschaft“ nahm er die gegenwärtigen Umbrüche in Medien und Gesellschaft in den Blick. Plattformökonomien, algorithmische Selektion und generative KI veränderten nicht nur Informationsflüsse, sondern stellten auch etablierte Institutionen und Rollenvorstellungen infrage. Für die Kommunikationswissenschaft leitete Jarren daraus normative Anforderungen ab: Das Fach müsse sich als relevante, sichtbare und einmischende Disziplin neu aufstellen. Es brauche professionelle und institutionelle Vorkehrungen, um wirksamer zur öffentlichen Debatte beizutragen – und die Leistungsfrage sowohl an etablierte Institutionen wie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als auch an neu entstehende Akteur:innen zu richten.
Öffentliche Positionierung der Kommunikationswissenschaft
In der anschließenden Podiumsdiskussion debattierten Prof. Dr. Marlis Prinzing (Macromedia University, Köln), Prof. Dr. Annika Sehl (KU Eichstätt-Ingolstadt) und Prof. Dr. Birgit Stark (Johannes Gutenberg-Universität Mainz), wie stark sich die (Kommunikations-)Wissenschaft angesichts einer bedrohten Wissenschafts- und Meinungsfreiheit öffentlich positionieren sollte. „Es geht um ein Mindset, dass das Ganze notwendigerweise zu unseren Aufgaben gehört. Es braucht ein Grundverständnis dafür, dass wir uns zu dieser gesellschaftlichen Verantwortung committen“, so Prinzing. Mit Blick auf eine zunehmend fragmentierte Öffentlichkeit betonte Sehl, dass es für einen wirksamen Wissenschaftstransfer nicht ausreiche, wenn Wissenschaftler Interviews etwa im Deutschlandfunk gäben - um unterschiedliche Teile der Gesellschaft zu erreichen, müssten sie ebenso reichweitenstarke Online-Portale wie t‑online nutzen. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Dr. Stefan Schmitt, Wissenschaftskorrespondent der ZEIT.
Unter dem Motto #Wissenschaft #Kommunikation #Demokratie standen in den folgenden Tagen 35 Panels, 18 Posterpräsentationen und fünf Sonderformate auf dem Programm. Die Konferenz bot vielfältige Perspektiven, intensiven Austausch und zahlreiche Anknüpfungspunkte für Forschung und Praxistransfer. Die übergreifende Verknüpfung der drei Themen setzte dabei eine klare Stoßrichtung: Kontextualisierung, gesellschaftliche Einordnung und ein selbstbewusstes Eintreten für Wissenschafts- und Freiheitswerte erscheinen zunehmend geboten – auch angesichts politischen und ökonomischen Drucks.
Abschlusspanel mit IJ-Absolvent:innen
Wie verändern sich demokratische Aushandlungsprozesse, wenn sich mediale Entwicklungen weiter beschleunigen, sich Kommunikationsstrukturen neu formieren und zwischen Plattformen, Redaktionen, Politik und Publikum neue Spannungen entstehen? Und was folgt daraus für ein Fach, das diese Prozesse nicht nur analysiert, sondern auch kritisch begleitet – insbesondere vor dem Hintergrund, dass digitale Öffentlichkeiten zunehmend von KI-Systemen mitgeprägt werden? Über diese Fragen diskutierten unter der Moderation von Prof. Dr. Michael Steinbrecher die IJ-Alumni Steffen Grimberg (KNA), Prof. Dr. Margreth Lünenborg (FU Berlin), Dr. Alexander Marinos (WAZ) und Anna Osius (ARD, Kairo).
Dabei ging es auch um zentrale Zukunftsfragen des Journalismus: die Perspektiven des Auslandsjournalismus, die Lage und Entwicklung des Lokaljournalismus, Ansätze und Grenzen staatlicher Medienförderung sowie die Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz für redaktionelle Prozesse und publizistische Qualität.
Die Debatte schlug die Brücke zur anschließenden Jubiläumsfeier des Instituts für Journalistik. Am Freitagabend wurde im Deutschen Fußballmuseum das 50-jährige Bestehen der Dortmunder Journalistik gefeiert – gemeinsam mit zahlreichen Wegbegleiter:innen, Alumni, Studierenden und DGPuK-Gästen. Ein ausführlicher Bericht zur Jubiläumsfeier folgt in Kürze.