Das Institut für Journalistik ist mit folgenden Panels, Vorträgen, Workshops und Ausstellungen auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) vertreten sein:
Panel Journalismus in der demokratischen Gesellschaft: Zusammenhänge, Relevanz und Perspektiven
Demokratie unter Druck: Zur Untersuchung von Schnittmengen postfaktischer Kommunikationsformen
Dr. Timo Lenk stellt im Panel Journalismus in der demokratischen Gesellschaft: Zusammenhänge, Relevanz und Perspektiven einen Beitrag zur Konzeptualisierung und Analyse manipulativer Kommunikation vor dem Hintergrund von Post-truth-Ära-Diagnosen und Disrupted Public Spheres vor.
Während der Journalismus nach wie vor einen zentralen Beitrag zur Demokratie leistet, dringen Desinformation und andere postfaktische Kommunikationsformen zunehmend in die Zentren politischer Kommunikation und digitaler Öffentlichkeiten vor. Dort leugnen einflussreiche politische Akteure Fakten, schüren Hass und diskreditieren unabhängigen Journalismus als Fake News. Hinzu kommen systematische Versuche der Informationsmanipulation durch autoritäre Regime in geopolitisch turbulenten Zeiten.
Der Beitrag konzeptualisiert Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Formen und Akteuren manipulativer Kommunikation aus dem In- und Ausland und stellt ein interdisziplinäres Framework zur Analyse manipulativer Kommunikation vor, mit dem sich diese Beziehungen auf einer inhaltlichen Ebene untersuchen lassen. Erste Ergebnisse aus Case Studies zeigen das Potenzial des Frameworks, fallübergreifende Muster zu identifizieren. Der Beitrag diskutiert empirische Anknüpfungspunkte und Implikationen für den Journalismus.
Die Diskrepanz im Kopf? Was Bevölkerung, Journalismus und Politik vom Journalismus in Deutschland erwarten
Leonie Krzistetzko, Kristina Beckmann, Thomas Roessing und Michael Steinbrecher widmen sich in ebenfalls im Panel Journalismus in der demokratischen Gesellschaft: Zusammenhänge, Relevanz und Perspektiven der Fragestellung, was die Bevölkerung, Politiker:innen und Journalist:innen vom Journalismus in Deutschland erwarten und wo ihre Erwartungen voneinander abweichen.
Damit der Journalismus seinen Aufgaben in einer Demokratie adäquat nachkommen kann, ist es unter anderem wichtig, dass er ein stimmiges Bild davon hat, was sein Publikum von ihm erwartet; und auch ein gewisser gesellschaftlicher Konsens über die Aufgaben des Journalismus fungiert als wichtige Grundlage für journalistisches Handeln. Vor diesem Hintergrund sind existierende Erwartungsunterschiede von großer Bedeutung.
Basierend auf Daten der multiperspektivischen Langzeitstudie „Journalismus und Demokratie“ beleuchtet der Beitrag, wo die Erwartungen von Politik, Journalismus und Bevölkerung in Deutschland übereinstimmen – und wo sie voneinander abweichen. Auch schaut er gezielt auf die erhobenen Erwartungserwartungen: Wie schätzen Bevölkerung und Politik die Prioritäten des Journalismus ein? Und was für ein Bild hat der Journalismus von den Erwartungen seines Publikums? Die Vortragenden stellen dabei gezielt die Fragen: Was bedeuten die unterschiedlichen Erwartungen und Erwartungserwartungen für den hiesigen Journalismus? Und welche Konsequenzen haben sie für die Demokratie?
Vortrag: Unpacking PSM Transparency from a Media Policy Field Perspective: Insights from Germany, Switzerland and the UK
Angesichts großer Umbrüche im politischen System, im Mediensystem und bei der Mediennutzung sehen sich öffentliche Rundfunkorganisationen (Public Service Media, PSM) zunehmenden Druck ausgesetzt, ihre privilegierte Stellung als von der Allgemeinheit finanzierte Medienhäuser zu legitimieren. Um diesem Legitimationsdruck zu begegnen, haben Medienpolitiker:innen, Aufsichtsgremien und die öffentlichen Medienhäuser selbst in vielen europäischen Ländern in den vergangenen Jahren Transparenzmaßnahmen verstärkt – sei es im Bereich der Finanzierung, der Aufsicht und Kontrolle, beim Zustandekommen des Programms oder bei unternehmensstrategischen Entscheidungen. Der Vortrag vergleicht basierend auf Ergebnissen aus dem Promotionsprojekt von Dominik Speck die konkrete Entwicklung solcher Transparenzbemühungen in Deutschland, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich in den vergangenen zehn Jahren.
Die Studie wählt dabei einen multiperspektivischen Ansatz, der institutionellen Strukturen und Interaktionsprozesse zwischen Akteuren ebenso in den Blick nimmt wie strategische, ideelle und normative Begründungen hinter Transparenzbemühungen. Dazu wird auf Konzepte aus der organisationswissenschaftlichen Transparenzforschung ebenso Bezug genommen wie auf den von Steen-Johnsen et al. entwickelten Media Policy Field Approach, der Transformationsprozesse im Zusammenspiel von Medienunternehmen, Medienpolitik und weiteren Stakeholdern in diesem gesellschaftlichen Feld in den Blick nimmt. Die Entwicklung öffentlich-rechtlicher Transparenz wurde mithilfe einer umfassenden qualitativen Dokumentenanalyse sowie Interviews mit insgesamt 35 Expert:innen aus den drei Ländern untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Transparenz in allen drei Ländern zwar zu einem wichtigen Instrument im medienpolitischen Toolkit geworden ist, grundlegende Fragen rund um die (institutionelle) Legitimation öffentlicher Rundfunkorganisationen im digitalen Zeitalter jedoch häufig unbearbeitet bleiben.
Vortrag: Research Integrity – The Ethical Ideology Revisited
Eva-Maria Roehse stellt gemeinsam mit ihren ehemaligen Kolleginnen aus dem FeKoM-Projekt Dr. Arne Freya Zillich (LMU München) und Prof. Dr. Daniela Schlütz (Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF) Ergebnisse einer Online-Befragung vor. Die Studie untersuchte, wie sich ethische Ideologien bei Forschenden erfassen lassen und inwieweit sie mit ihrem Forschungshandeln zusammenhängen.
Grundlage bildet das Konzept der „ethical ideology“ (EI), das der Sozialpsychologe Donelson Forsyth in den 1980er-Jahren entwickelte. Demnach beruhen Unterschiede im moralischen Urteil auf zwei unabhängigen Dimensionen: Idealismus und Relativismus. Zur Messung dieser Dimensionen erarbeitete Forsyth den Ethics Position Questionnaire (EPQ). Im FeKoM-Projekt wurde der EPQ im Rahmen einer Online-Befragung unter Medien- und Kommunikationswissenschaftler*innen aus der DACH-Region (N=170) eingesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass Forsyths ethische Ideologien weiterhin relevant für die ethische Positionierung der Befragten sind. Die positive Korrelation zwischen Idealismus und Relativismus deutet jedoch darauf hin, dass diese Orientierungen das alltägliche Forschungshandeln nicht direkt bestimmen. Vielmehr erfordern konkrete ethische Dilemmata häufig einen kasuistischen Ansatz (McKee & Porter, 2009), bei dem Entscheidungen fallweise und unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren – etwa methodischer Standards – getroffen werden.
Vortrag: Zwischen Amtsblatt und Algorithmus: Wie Bürger:innen den lokalen Raum und lokale Informationsangebote wahrnehmen
Lokaljournalismus gilt als zentrales Fundament lokaler Demokratien: Er informiert Bürger:innen verlässlich, bietet Orientierung im Alltag und stärkt öffentliche Diskurse. Gleichzeitig befindet sich die lokale Medienlandschaft in einem tiefgreifenden Wandel. Während strukturelle Veränderungen – wie der Rückgang von Lokalzeitungen – gut dokumentiert sind, wissen wir bislang weniger darüber, wie Bürger:innen das „Lokale“ in einer hybriden Medienumgebung verstehen und welche Rolle lokale Informationsangebote in ihrem Alltag tatsächlich spielen.
Die Studie von Prof. Dr. Leyla Dogruel (Uni Erfurt) und Prof. Dr. Wiebke Möhring (IJ) geht genau diesen Fragen nach. Im Mittelpunkt stehen drei Aspekte: Wie definieren Bürger:innen „lokal“ – als geografischen, sozialen oder emotionalen Raum? Welche Themen und Nutzungsmotive prägen die lokale Informationssuche? Welche Quellen werden genutzt, wie werden sie bewertet – und welche Rolle spielt professioneller Lokaljournalismus im Zusammenspiel mit digitalen und nicht-journalistischen Angeboten?
Grundlage sind vier Online-Fokusgruppen (n = 21), durchgeführt mit Teilnehmenden unterschiedlicher Altersgruppen, Bildungsbiografien, Wohnorte und politischer Einstellungen. Die Ergebnisse zeigen: Das Lokale wird nicht nur administrativ, sondern stark sozial und emotional verstanden. Lokale Informationen dienen vor allem der Alltagsorientierung und dem Bedürfnis nach Überblick und Kontrolle; politische Themen erscheinen hingegen oft abstrakt. Zudem nutzen viele Bürger:innen hybride Informationsrepertoires, in denen journalistische und nicht-journalistische Quellen nebeneinanderstehen – häufig ohne klare Trennlinien. Der Vortrag diskutiert, welche Konsequenzen diese Befunde für die Definition und Erforschung lokaler Kommunikationsräume haben – und was sie für die Zukunft des Lokaljournalismus bedeuten.
Workshop: „Journalismus, quo vadis? Zukunftswerkstatt zur künftigen Rolle des Journalismus in Deutschland“
Journalismus ist essenziell für funktionierende Demokratien. Gleichzeitig steht er vor großen Herausforderungen: Qualitätsdebatten, technologische Umbrüche, ökonomischer Druck, mäßig gute Vertrauenswerte und Konkurrenz durch Kommunikator:innen, die mitunter Falschinformationen verbreiten, sind nur einige davon. Vor diesem Hintergrund werden die Teilnehmenden der Zukunftswerkstatt Ideen entwickeln, die zu einem gestärkten, demokratisch relevanten Journalismus beitragen können. Dabei sind Wissenschaftler:innen, Journalist:innen und Bürger:innen eingeladen, ihre Kritik am Journalismus, ihre Einblicke, Sichtweisen und Wünsche einzubringen. Auch Vorstellungen, die zunächst utopisch erscheinen, sollen mitgedacht werden. Während des Workshops können die Teilnehmenden auf Ergebnisse aus der Studie Journalismus & Demokratie zurückgreifen. In quantitativen Befragungen hat die Forschungsgruppe erhoben, was verschiedene gesellschaftliche Gruppen vom Journalismus erwarten und was sie an ihm kritisieren.
Konzipiert wurde die Zukunftswerkstatt von Kristina Beckmann. Leonie Krzistetzko wird bei der Durchführung unterstützen.
Workshop mit „Disquota“ - Eine neue web-basierte Forschungsumgebung für Inhaltsanalysen in Forschung, Lehre und Zusammenarbeit
Quantitative Inhaltsanalysen sind eine zentrale Methode der Kommunikations- und Medienwissenschaft, bislang jedoch unzureichend durch digitale, web-basierte Forschungsinfrastruktur unterstützt. Während für Befragungen und qualitative Analysen etablierte Tools existieren, fehlte im deutschsprachigen Raum bisher eine vergleichbare Lösung für quantitative Inhaltsanalysen. Diese Lücke schließt Disquota. Das Tool wird im Rahmen eines Workshops von Dr. Benjamin Bigl und Dirk Schultze (Hochschule MIttweida) vorgestellt.
Fotoausstellung: Journalismus und Demokratie
Wie lässt sich die Verbindung zwischen Journalismus und Demokratie in Bildern einfangen? Studierende des Instituts für Journalistik der TU Dortmund haben sich im Rahmen verschiedener Seminare zur Studie "Journalismus und Demokratie", unter Anleitung von Prof. Dr. Michael Steinbrecher und Leonie Krzistetzko (M. A.), der Aufgabe gestellt, die komplexen Wechselwirkungen zwischen beiden Themen in Fotoprojekten visuell zu interpretieren.
Dabei entstanden Bilderserien, die zentrale Aspekte journalistischer Arbeit und demokratischer Prozesse beleuchten. Ob es um das Abbilden von Protesten, Fotografie-Reihen zu Medienskepsis, Medienkonsum und Pressefreiheit oder Porträts engagierter Menschen geht – die Fotografien machen sichtbar, wie Journalismus und Demokratie untrennbar miteinander verwoben sind. Sie laden dazu ein, über die essenzielle Rolle des Journalismus in einer funktionierenden Demokratie nachzudenken – und wie dieser nicht nur berichtet, sondern selbst Teil des demokratischen Gefüges ist.
Im Rahmen der DGPuK-Jahrestagung werden besonders herausragende Fotografie-Arbeiten von Studierenden des Bachelors und Masters Journalistik ausgestellt (SRG, 1. Etage). Während der Pausen und rund um die Tagung laden Sie zur Reflexion und zum Dialog ein.