Berichterstattung über Inflation ist mehr als reine Information: Sie kann beeinflussen, wie Menschen künftige Preisentwicklungen einschätzen. Eine neue Studie in Empirical Economics, unter Beteiligung des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitischen Journalismus, analysiert dafür über 50.000 Artikel über Inflation aus drei großen deutschen Zeitungen - Süddeutsche Zeitung, Die Welt und Handelsblatt - aus den Jahren 2001 bis 2024.
Torsten Schmidt et al. messen zunächst, wie prominent Inflation in den Nachrichten vorkommt. Anschließend nutzen sie dynamisches Topic Modeling, um verschiedene Arten der Inflationsberichterstattung zu unterscheiden, darunter Berichte über Rohstoffe, Geldpolitik, Löhne, Finanzpolitik und Inflation in Schwellenländern.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Wirkung der Nachrichten sowohl vom Thema der Berichterstattung als auch vom weiteren Inflationsumfeld abhängt. Berichterstattung über Rohstoffpreise erhöht die Inflationserwartungen der Haushalte, insbesondere wenn die Inflation bereits hoch ist. Im Gegensatz dazu beeinflusst die Berichterstattung über Inflation in Schwellenländern die Erwartungen vor allem in Phasen niedriger Inflation.
Die Studie zeigt zudem, dass die mediale Aufmerksamkeit nicht immer parallel zur aktuellen Inflation verläuft. Die Berichterstattung kann auch nach einem Rückgang der Inflation auf hohem Niveau bleiben, was darauf hindeutet, dass inflationbezogene Narrative in der öffentlichen Debatte bestehen bleiben können.
Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse, dass der Umfang der Inflationsberichterstattung nur ein Teil der Geschichte ist. Auch ihr thematischer Inhalt und der wirtschaftliche Kontext, in dem sie erscheint, sind dafür relevant, wie Menschen Erwartungen über zukünftige Preisentwicklungen bilden.
Quelle
Schmidt, T., Schmidt, T., Müller, H. et al. Changing inflation perception and the propagation of news shocks. Empirical Economics 71, 30 (2026). https://doi.org/10.1007/s00181-026-02964-9